Bd. 107: N. Borisova / G. Drews-Sylla / R. Makarska / I. Wutsdorff (Hgg.): Kulturelle Vernetzungen. Festschrift für Schamma Schahadat
Vernetzte Texte – Intertextualität

Politische Intertextualität. Andrić, Jergović, Karahasan und der „bosnische Hass“

Veröffentlicht am %2026

Schlagwörter

  • Intertextualität,
  • Bosnien,
  • Ivo Andrić,
  • Miljenko Jergović,
  • Dževad Karahasan

Abstract

Der Beitrag untersucht politische Intertextualität als literarische Strategie. Im Mittelpunkt stehen Ivo Andrićs „Brief aus dem Jahr 1920“ (1948) sowie dessen Neuinterpretationen durch Miljenko Jergović und Dževad Karahasan im Kontext des Bosnienkriegs der 1990er Jahre. Analysiert wird, wie Andrićs Text missverstanden und politisch instrumentalisiert wurde, indem er als Beleg für einen angeblich inhärenten „bosnischen Hass“ herangezogen wurde. Vor diesem Hintergrund entlarvt Jergovićs „Brief“ die Vorstellung eines endemischen Hasses als konstruiertes Narrativ, das durch organisierte Gewalt erst Wirklichkeit wird, ohne dabei auf reduktive Gegennarrative wie die Jugonostalgie zurückzugreifen. Karahasans „Briefe aus dem Jahr 1993“ hingegen schreibt Andrićs Text im Licht von Karahasans eigener Theorie der bosnischen Identität neu, die Bosnien als pluralistisches und „dramatisches Kultursystem“ versteht, das auf Spannung, Vielfalt und Zusammenleben beruht.

Zitationsvorschlag

Nicolosi, R. (2026) “Politische Intertextualität. Andrić, Jergović, Karahasan und der „bosnische Hass“”, Wiener Slawistischer Almanach - Sonderbände, 107, pp. 61–75. doi:10.5282/nknagk34.