Bd. 107: N. Borisova / G. Drews-Sylla / R. Makarska / I. Wutsdorff (Hgg.): Kulturelle Vernetzungen. Festschrift für Schamma Schahadat
Verflochtene Literaturen und Kulturen – Weltliteratur*en und ,kleine‘ Literaturen

Max Brod und Franz Kafka über jiddische Literatur

Veröffentlicht am %2026

Schlagwörter

  • Max Brod,
  • Franz Kafka,
  • Jiddisch,
  • Jüdischsein,
  • jüdische Literatur

Abstract

Der Aufsatz vergleicht die Bedeutung, die dem Jiddischen für die jüdische Identität in Max Brods „Der jüdische Dichter deutscher Zunge“ und Franz Kafkas „Einleitungsvortrag in den Jargon“ beigemessen wird. Während Brod daraus (und aus historischen hebräischen Schriften) eine einheitliche Identität ableitet, sieht Kafka im Jiddischen den Ausdruck einer unerreichbaren Vielfalt, die jeder Jude in sich trägt und spüren kann. Brod schafft somit eine einheitliche jüdische Identität (die er in einem anderen Text sogar als „rassisches Merkmal“ versteht) und vertritt damit eine Sichtweise, die – wenn man solche Merkmale einer Rasse im biologischen Sinne versteht – auch gegen Juden gewendet werden kann. Im Gegensatz dazu ist Kafkas „Jiddisch“ von Natur aus vielfältig und kann daher in keiner Weise instrumentalisiert werden. Trotz dieses offensichtlichen Unterschieds stützte Brod sein eigenes Verständnis von Kafka und seine Bemühungen, ihn international zu etablieren, auf dieses Muster.

Zitationsvorschlag

Weinberg, M. (2026) “Max Brod und Franz Kafka über jiddische Literatur”, Wiener Slawistischer Almanach - Sonderbände, 107, pp. 277–286. doi:10.5282/jxccd826.