Zemfira in Montana. Vogelmetaphorik, ‚going native‘ und koloniale Apologetik von „Cygany“ (1824) zu „Yellowstone“ (2018–2024)
Veröffentlicht am %2026
Schlagwörter
- Puškin,
- Bizet,
- „Carmen“,
- Transimperialität,
- Siedlerkolonialismus
Abstract
Dieser Beitrag liest Taylor Sheridan’s Yellowstone (2018–2024) und seine Prequels als eine Reaktualisierung transimperialer Legitimationspoetiken, die romani und indigene Alterität als heterotope Freiheitsräume inszeniert. Koloniale Gewalt wird als eine Ursünde dargestellt, von der in Variationsformen eines going native über eine genealogische Verschmelzung mit dem Land und die Appropriierung indigenen Leids Erlösung gefunden werden kann. Im Zentrum des Arguments stehen symbolisch doppelt kodierte Vögel, die zugleich als Freiheitssymbol und als Embleme imperialer Souveränität fungieren. Über eine intertextuelle Lektüre von Yellowstone mit Bizets Carmen und Puškins Cygany (Die Zigeuner) wird einer transimperialen Praxis des Weiterschreibens gefolgt, mit Carmen als Bindeglied zwischen Puškins kolonialer Poetik und Sheridans neo-Western. In beiden imperialen Formationen wird die koloniale Gewalt in eine Verlusterzählung überführt, die sich auf die Kolonisator*innen konzentriert, während symbolische Indigenisierung Eroberung in Zugehörigkeit und Herrschaft in Erlösung verwandelt. Die blonden Dutton-Töchter erscheinen in Yellowstone als Verkörperungen der Manifest Destiny, die sich strukturell bis zu Aleko und Zemfira in Cygany zurückverfolgen lassen. Aus dieser Perspektive erweist sich Yellowstone als gegenwärtige Variante einer sehr viel älteren imperialen Grammatik, über die sich die apologetischen Strukturen der Manifest Destiny und die Legitimationsnarrative des Russländischen Imperiums als auffallend ähnlich erweisen.
Zitationsvorschlag
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