Bd. 107: N. Borisova / G. Drews-Sylla / R. Makarska / I. Wutsdorff (Hgg.): Kulturelle Vernetzungen. Festschrift für Schamma Schahadat
Verflochtene Literaturen und Kulturen – Weltliteratur*en und ,kleine‘ Literaturen

Bildbegriff im Islam

Veröffentlicht am %2026

Schlagwörter

  • Idolatry,
  • Ikonoklasmus,
  • islamische visuelle Kultur,
  • Wahhabismus

Abstract

Der Artikel analysiert das Konzept von Bild und Bildverbot im Islam als einen historisch veränderbaren und in sich diversen Diskurs. Da das Bilderverbot kein einheitliches dogmatisches Verbot ist und der Koran Bilder nicht explizit verbietet, entspringen bildfeindliche Positionen primär der Hadith-Literatur und deren späteren juristischen Interpretationen. Zentral für diese Haltungen sind Bedenken hinsichtlich einer schöpferischen Hybris des Menschen sowie die Angst vor Idolatrie. Gleichzeitig entwickelte die islamische visuelle Kultur Strategien der Abstraktion, De-Figuration und Verschiebung, die begrenzte Formen der Darstellung erlaubten – insbesondere in der Buchmalerei (Miniaturen), der Kalligrafie und dem Ornament. Der Artikel beleuchtet darüber hinaus soziale, räumliche und politische Unterscheidungen im Umgang mit Bildern und verweist auf den Wahhabismus als eine moderne Intensivierung der Ikonophobie, die eine plurale Tradition in eine streng durchgesetzte Doktrin des Ikonoklasmus verwandelte.

Zitationsvorschlag

Lachmann, R. (2026) “Bildbegriff im Islam”, Wiener Slawistischer Almanach - Sonderbände, 107, pp. 257–264. doi:10.5282/rfw8rw31.