Bd. 107: N. Borisova / G. Drews-Sylla / R. Makarska / I. Wutsdorff (Hgg.): Kulturelle Vernetzungen. Festschrift für Schamma Schahadat
Vernetzte Sprachen und Kulturen – Übersetzen

Zwei Übersetzungen des „Braven Soldaten Schwejk“ ins Deutsche

Veröffentlicht am %2026

Schlagwörter

  • Tschechische Literatur,
  • literarische Übersetzung,
  • Neuübersetzung,
  • gesprochene Sprache

Abstract

Dieser Artikel vergleicht zwei deutsche Übersetzungen von Jaro­slav Hašeks tschechischem Roman Osudy dobrého vojáka Švejka za světové války (Der brave Soldat Švejk) und konzentriert sich dabei auf das linguistische Problem der Wiedergabe von gesprochener Sprache. Während Grete Reiners klassische deutsche Übersetzung aus dem Jahr 1926 lange Zeit als maßgeblich galt, veröffentlichte Antonín Brousek 2014 eine neue Übersetzung, in der er Reiners Fassung ausdrücklich dafür kritisierte, dass sie die Protagonisten auf „groteske“ und angeblich unkorrekte Weise sprechen lasse. Brousek argumentiert, dass Reiners Verwendung einer tschechisch geprägten deutschen Variante das Original verzerre, dessen Figuren angeblich authentisches Umgangstschechisch sprechen. Der Artikel stellt diese Behauptung in Frage, indem er beide Übersetzungen in den soziolinguistischen Kontext des Tschechischen einordnet, insbesondere die Rolle der obecná čeština, einer nicht standardisierten Umgangssprachvariante, die historisch als Dialekt angesehen wurde. Reiners Übersetzung spiegelt, obwohl sie von Lokalkolorit und Kontaktphänomenen geprägt ist, die zeitgenössische Wahrnehmung der tschechischen Sprache und des österreichisch-ungarischen Milieus wider. Brouseks modernisiertes Deutsch hingegen lässt diesen historischen Charakter verschwinden. Der Vergleich legt zudem nahe, dass beide Übersetzungen einander näher stehen als erwartet. 

Zitationsvorschlag

Berger, T. (2026) “Zwei Übersetzungen des „Braven Soldaten Schwejk“ ins Deutsche”, Wiener Slawistischer Almanach - Sonderbände, 107, pp. 175–185. doi:10.5282/gvv82939.