Bd. 107: N. Borisova / G. Drews-Sylla / R. Makarska / I. Wutsdorff (Hgg.): Kulturelle Vernetzungen. Festschrift für Schamma Schahadat
Vernetzte Sprachen und Kulturen – Übersetzen

Poetologisches Engagement bei Olga Tokarczuk

Veröffentlicht am %2026

Schlagwörter

  • Olga Tokarczuk,
  • engagiertes Schreiben,
  • „liebevoller Erzähler“,
  • „Bieguni” („Unrast“, 2007),
  • „Prowadź swój pług przez kości umarłych” („Gesang der Fledermäuse“, 2009)

Abstract

Das Konzept der engagierten Literatur (littérature engagée), das historisch mit Jean-Paul Sartre verbunden ist, gewinnt im gegenwärtigen globalisierten, postkolonialen und ökologisch krisengeprägten Zeitalter neue Relevanz, da es literarische Interventionen in sozio-politische Diskurse ermöglicht. Gleichzeitig verändert sich der theoretische Zugang zur literarischen Engagiertheit: Der Fokus liegt weniger auf der literarischen Verarbeitung politischer Themen, sondern vielmehr auf der Vielfalt der Genres und Formen engagierten Schreibens. Das Werk von Olga Tokarczuk kann als exemplarische zeitgenössische Ausprägung dieses erweiterten Verständnisses engagierter Literatur gelesen werden. In ihrem Schreiben interagieren poetologische Konzepte und narrative Techniken (wie der paradigmatische „czuły narrator“ / „liebevolle Erzähler“) mit der Wiederentdeckung vergessener oder unterdrückter Perspektiven; dies umfasst beispielsweise die Dezentrierung des anthropozentrischen Weltbildes in Gesang der Fledermäuse (2009). Auf diese Weise bringt Tokarczuks Literatur ein entschiedenes literarisches Engagement in gesellschaftliche Diskurse ein.

Zitationsvorschlag

Martin, E. (2026) “Poetologisches Engagement bei Olga Tokarczuk”, Wiener Slawistischer Almanach - Sonderbände, 107, pp. 241–253. doi:10.5282/frd7nw37.